Bares für Rares – Azubi-Prämien für ausbildungswillige Unternehmen

Mit 700 Millionen Euro möchte die Bundesregierung unter Bundesbildungsministerin Anja Karliczek in Form von Corona-Prämien ausbildende Unternehmen unterstützen. Damit können Betriebe, die trotz Corona ausbilden, bis zu 6.000 Euro pro Azubi beantragen. Der Kreis der Unternehmen, die in den Genuss dieser Prämien kommen können, soll zudem ausgeweitet und die Beantragung vereinfacht werden.

Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) meldete, dass im Jahr 2020 11 Prozent weniger Ausbildungsverträge zustande kamen. Damit fiel die Zahl mit 467.500 Verträgen erstmals unter die Grenze von 500.000. Hubert Esser, Präsident des BIBB dazu: “Eine angespannte Wirtschaft bremst das Ausbildungsgeschäft ab.“

Ganz neu ist diese Entwicklung natürlich nicht, die Pandemie verstärkte den Rückgang an Lehrstellen und Ausbildungsverträgen aber zusätzlich. Das liegt sicherlich auch an den fehlenden Möglichkeiten zur Berufsorientierung. Esser: „Ohne Matching-Möglichkeiten kommen weniger Ausbildungsverträge zustande“. Seit annährend einem Jahr fallen nun wichtige Säulen der Berufsorientierung für junge Menschen am Ende ihrer Schullaufbahn weg. Nicht nur Ausbildungs- und Studienmessen, sondern auch Praktika und Schulbesuche durch Unternehmen sind live nicht möglich. Damit fehlen Einblicke in Berufsbilder und letztlich eine sichere Entscheidungsgrundlage.

Branchen, die von der Krise unmittelbar betroffen sind, wie die Eventbranche oder Gastronomie/Hotellerie verzeichnen eklatante Bewerberrückgänge. So gab es 36 Prozent weniger Vertragsabschlüsse für die Ausbildung zum/zur Veranstaltungskaufmann/-kauffrau, 24 Prozent weniger im Gastgewerbe und satte 60 Prozent weniger im Tourismus.

Vor dem bekannten Szenario des Fachkräftemangels wird dieser Rückgang perspektivisch sicherlich die Nachwuchs-Situation verschärfen. Rund die Hälfte der 18- bis 30-Jährigen glaubt, dass die Chancen einer guten Ausbildung durch die Pandemie schlechter geworden sind. Seitens der Jugendlichen gibt es bereits seit Jahren den Trend zum Studium. Studien belegen, dass sie ebenso wie ihre Eltern, per se davon ausgehen, dass man mit einem Studium bessere Karrierechancen hat. Für Jugendliche bietet ein Studium zudem einen weiteren „Vorteil“. Zu studieren bedeutet in vielen Fächern, sich noch nicht final auf ein Berufsbild festlegen zu müssen. Das kommt entscheidungsschwachen und noch unsicheren SchülerInnen entgegen. Eine Entscheidung für ein Studium ist somit für manche eine Form des Entscheidungsaufschubs. Die unsichere wirtschaftliche Lage verschärft auch diesen Trend.

Grund genug also, dieser Entwicklung entgegenzuwirken und auf finanziellem Wege die Ausbildung für Unternehmen attraktiver zu gestalten beziehungsweise den nicht zu unterschätzenden Kostenapparat zu verringern. Immerhin kostet es laut dem BIBB um die 20.000 Euro pro Jahr, einen Azubi auszubilden.

Das IAB (Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung) stellte in einer Umfrage „Betriebe in der Covid-19-Krise“ fest, dass diese staatlichen Förderprogramme nur gut der Hälfte der Betriebe überhaupt bekannt war. Von diesen wiederum stuften sich nur 47 Prozent als förderberechtigt ein. Es besteht also noch Informationsbedarf, um dieses sinnvolle Angebot bekannt zu machen.

Das Förderprogramm ist für KMUs bis zu einer bestimmten Mitarbeiterzahl bzw. für solche, die von Corona wirtschaftlich erheblich betroffen sind. Neben den Prämien für den Erhalt von Ausbildungsplätzen oder gar deren Aufstockung (bringt nochmal 1.000 Euro mehr), wird auch die Ausbildungsvergütung bis zu 75 Prozent erstattet, wenn die Ausbildung trotz Kurzarbeit fortgeführt wird. Und wer Azubis von Unternehmen übernimmt, die Insolvenz anmelden und schließen mussten, darf sich über 3.000 Euro Übernahmeprämie freuen. Es lohnt sich also, sich die Voraussetzungen einmal genauer anzuschauen, um festzustellen, ob das eigene Unternehmen auch von diesen Geldern profitieren kann.

Wenn nicht live, dann online

Die „Allianz für Ausbildung“, ein Zusammenschluss aus Wirtschaft, Politik und Gewerkschaften plant offensive Maßnahmen, um die duale Ausbildung bei SchülerInnen und Betrieben zu bewerben. Die Allianzpartner, zu denen auch die Kultusministerien gehören, wollen unter allen Umständen vermeiden, dass auch in 2021, so wie im vergangenen Jahr, massenhaft Berufsorientierungsangebote entfallen. Deshalb haben sie sich verpflichtet, das Thema der Berufsorientierung in den digitalen Unterricht einzubinden. Zu diesem Zweck lässt das BIBB eine zentrale Plattform entwickeln, die die Wege zu den Ausbildungsangeboten sicherstellen soll, heißt es im Handelsblatt Mitte März diesen Jahres. Fraglich ist jedoch, ob eine solche Plattform zeitnah fertiggestellt und deren flächendeckende Nutzung kommuniziert werden kann.

Umso besser, dass wir schon seit August 2020 Online-Events erfolgreich auf unserer Plattform (mit unserem Partner MeetAnyway) durchführen, die sich sowohl bei Unternehmen und Hochschulen als auch bei SchülerInnen großer Akzeptanz erfreuen. Bei diesen Recruiting-Formaten haben Sie die Möglichkeit, sich und Ihr spannendes Ausbildungs- und Studienangebot persönlich vorzustellen und wichtige Kontakte zu jungen Talenten zu knüpfen! Unsere nächsten beiden Online-Events rund um Ausbildung, Studium & Gap Year finden übrigens im Juni in NRW und Baden-Württemberg statt. Weitere Informationen finden Sie hier. Wir freuen uns auf Sie!

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.