Intelligenz oder Interesse? Worauf es bei Ihrer Nachwuchsauswahl wirklich ankommt.

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Was liest man nicht alles – Anschreiben seien austauschbar und ohne jeglichen Informationsgehalt. Schulzeugnisse sagen angeblich nichts über den späteren Berufserfolg aus. Arbeitszeugnisse sind entweder selbst geschrieben oder zu kryptisch, um noch relevante Prognosen abzugeben. Ein strukturiertes Interview ist nicht wirklich objektiv. Bei Videopräsentation sind doch extravertierte Selbstdarsteller klar im Vorteil.

Ja, was denn nun?! Intelligenztest? Arbeitsproben? Kollegen hinzuziehen? Künstliche Intelligenz entscheiden lassen oder die Kugel befragen? Wir fragen lieber einen Experten!

Interviewpartner Professor Aljoscha Neubauer
Foto: aljoscha-neubauer.com

Worauf es bei Ihrer Azubi- und Studierenden-Auswahl ankommt, erläutert uns Herr Prof. Aljoscha Neubauer. Er forscht seit vielen Jahren zu Begabung, Intelligenz und Neigung und deren Auswirkung auf den späteren Berufserfolg.

Herr Professor Neubauer, Sie forschen seit vielen Jahren zur Intelligenz und zur Begabung und welche Rolle diese Faktoren wie auch die Neigung auf den Berufserfolg ausüben. Bitte erläutern Sie uns kurz diese drei Begriffe.

Ich unterscheide in meinem Buch grundsätzlich die Begriffe Eignung und Neigung: Bei der Eignung meint man die Begabungen, Kompetenzen, Skills oder Fertigkeiten, also wie gut man etwas kann. Hingegen geht es bei den Neigungen eher darum, wie gerne man etwas macht bzw. was die eigenen Verhaltenspräferenzen sind.

Bei den Neigungen unterscheidet man zudem zwei große Bereiche. Einerseits die Interessen, speziell die beruflichen Interessen, und andererseits die Persönlichkeit und landläufig würde man sagen Charaktermerkmale wie zum Beispiel Extraversion versus Introversion, Gewissenhaftigkeit, Verträglichkeit oder emotionale Stabilität.

Bei den Eignungen geht es also eher darum, was man wie gut kann und wo man seine Stärken und Schwächen hat, während es bei den Neigungen eher darum geht, wofür man sich interessiert bzw. ob man z.B. gerne mit Menschen zusammenarbeitet oder lieber nicht.

Forschungsarbeiten, und im Speziellen Meta-Analysen der letzten Jahre, haben nun gezeigt, dass erstaunlicherweise die Begabungen deutlich höher mit beruflichem Erfolg korrelieren als die Neigungen. Das widerspricht der landläufigen Meinung, wonach es nur wichtig ist, dass man sich für etwas interessiert, dann sei man schon gut darin. Interessen und Persönlichkeitsmerkmale sind für beruflichen Erfolg natürlich nicht unwichtig, aber sie werden in Relation zur Begabung überschätzt.

„Interessen und Persönlichkeitsmerkmale sind für beruflichen Erfolg natürlich nicht unwichtig, aber sie werden in Relation zur Begabung überschätzt.“

Wie gut sind junge Erwachsene oder wir Menschen insgesamt darin, unsere Begabungen realistisch einzuschätzen? Und wie erklären Sie sich das?

Es zeigen wiederum Meta-Analysen und meine eigenen Studien der vergangenen Jahre, dass wir Menschen, und im Speziellen auch junge Erwachsene, zum Teil erstaunlich schlecht darin sind, die eigenen Begabungen oder Fähigkeiten richtig oder realistisch einzuschätzen. Das ist vor allem im Bereich sprachlicher Fähigkeiten ganz virulent, wo es zu deutlichen Fehleinschätzungen, die zumeist Überschätzungen sind, kommt. Aber auch im Bereich räumlich-visueller Fähigkeiten wie z. B. mentale Rotation sind wir erstaunlich schlecht darin, uns korrekt einzuschätzen.

Sehr gut funktioniert hingegen die Einschätzung im Bereich mathematisch-numerischer Fähigkeiten. Menschen sind im Allgemeinen sehr gut darin zu erkennen, ob sie mathematisch oder naturwissenschaftlich begabt sind oder nicht. Dazwischen liegen – mit einer mittleren Einschätzungsgenauigkeit – Fähigkeiten wie Kreativität und intra- und interpersonale Fähigkeiten. Da geht es um die Fähigkeit, seine eigenen Emotionen zu regulieren und wie gut man mit den Gefühlen und Gedanken und Motiven anderer Menschen umgehen kann.

„Wir Menschen und im Speziellen auch junge Erwachsene sind zum Teil erstaunlich schlecht darin, die eigenen Begabungen oder Fähigkeiten richtig oder realistisch einzuschätzen.“

Welche Rolle kommt dem persönlichen Interesse, der Neigung, zu? Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Neigung und der Eignung für bestimmte Berufe? Sprich, bin ich automatisch gut darin, wofür ich mich interessiere?

Das ist erstaunlicherweise nicht der Fall! Auch hier ist in den letzten Jahren eine Meta-Studie zum Zusammenhang zwischen Begabungen und Interessen, speziell beruflichen Interessen, erschienen, und die hat gezeigt, dass größtenteils die Zusammenhänge in einem eher niedrigen Bereich liegen.

Das heißt, man ist nicht automatisch gut darin, wofür man sich interessiert und umgekehrt. Diese niedrigen bis vereinzelt mittelhohen Zusammenhänge heißen, dass es bei vielen Menschen schon zusammenpasst, aber bei einem nicht unerheblichen Anteil von vielleicht 20-30 Prozent auch zu deutlichen Diskrepanzen kommen kann. Das heißt, dass sich Menschen für etwas interessieren, für das sie nicht oder zumindest nicht optimal geeignet sind.

Interessen und Begabungen matchen oftmals nicht!

Welche neusten Erkenntnisse hat man hinsichtlich Intelligenz und dem Berufserfolg sowie – vielleicht viel wichtiger aus Sicht der Generation Z – der Berufszufriedenheit?

Hier sprechen Sie tatsächlich eine ganz wichtige Differenzierung an, nämlich Berufserfolg versus berufliche Zufriedenheit.

Wir wissen aus der psychologischen Forschung, dass tatsächlich der Berufserfolg deutlich höher mit Intelligenz zusammenhängt als mit Interessen, für berufliche Zufriedenheit hingegen scheint es tendenziell eher umgekehrt zu sein. Hier scheint das Interesse wichtiger zu sein.

Das Interesse ist aber insgesamt über längere Zeiträume viel weniger stabil als die Begabung. Begabungen sind, wenn man mal erwachsen ist, so mit 17-18 Jahren in etwa, erstaunlich stabil. Das heißt, die Struktur der Begabung, ob man eher sprachlich, mathematisch oder sozial begabt ist, verändert sich ab diesem Zeitpunkt nur mehr wenig.

Interessen können sich hingegen auch viel flexibler anpassen, manchmal kommt es nur darauf an, auf den sprichwörtlichen Geschmack zu kommen. Jeder kennt das bekannte Sprichwort ‚Der Appetit kommt beim Essen‘, und manchmal muss man vielleicht nur etwas probieren, um drauf zu kommen, dass einen das vielleicht auch interessieren könnte.

Als klassisches Beispiel nenne ich immer Frauen in technischen Berufen. Mädchen bzw. Frauen sind von ihrer Begabungsstruktur um nichts weniger geeignet als Knaben oder Männer für technische Berufe; und wählen diese trotzdem wesentlich seltener.

Das hat auch viel mit Geschlechtsrollen und Geschlechtsstereotypen zu tun, die man aufbrechen muss, denn tatsächlich gibt es seitens der Begabungsforschung keine Gründe, warum nicht auch Frauen mehr in technische Berufe gehen sollten, und tatsächlich haben wir ja in diesem Bereich einen Mangel an Arbeitskräften.

„Berufserfolg wird in erheblichem Maße von der Intelligenz beeinflusst, die Berufszufriedenheit eher von den Interessen. Letztere sind jedoch nicht so stabil und könnten durch Ausprobieren und Kennenlernen bislang unentdeckter Bereiche auch geweckt werden! Geschlechterstereotype und Klischees sollten daher aufgebrochen werden.“

Welche Faktoren werden Ihrer Meinung nach für die Auswahl von Azubis ebenfalls eine Rolle spielen, wenn sich Berufsbilder in Zukunft kontinuierlich wandeln werden? Wie sollten Unternehmen Intelligenz, den viel beschworenen „Cultural Fit“ und Persönlichkeitsmerkmale überhaupt gewichten?

Es ist zwar richtig, dass sich Berufsbilder in Zukunft wandeln, aber umso wichtiger ist es, dass man bei der Auswahl von Azubis die Personen mit den entsprechenden Begabungen in die entsprechenden Lehr- und Ausbildungsberufe bringt.

Denn wenn das Berufsleben und die Berufsbilder sich kontinuierlich wandeln, dann heißt das umso mehr, dass man auch im fortgeschrittenen Alter oder im Laufe seines gesamten Lebens weiter lernen muss, sich an neue Anforderungen anpassen muss, flexibel sein muss und das ist der Kern der Begabung. Begabung ist nämlich nichts anderes als Lernfähigkeit. Wer für etwas begabt ist, lernt in diesem Bereich schneller und effizienter und kann sich daher auch flexibler auf neue Anforderungen in diesem Bereich einstellen.

Es macht also gerade in Zeiten sich ändernder Berufsbilder besonders viel Sinn, auf die Begabungen zu schauen – sowohl was die Auswahl von Auszubildenden betrifft als auch für einen selber, wenn es um die Wahl eines beruflichen Karriereweges geht. Ich werde im Laufe meines Lebens leichter die verschiedenen Änderungen von Anforderungen, mit denen fast alle Menschen konfrontiert sind, bewältigen können, wenn ich mehr Begabung, das heißt mehr Lernfähigkeit für diesen Bereich habe.

Natürlich gibt es Menschen, die für mehr Bereiche begabt und die damit insgesamt flexibler sind, während andere vielleicht eine eher spezifische Begabungsspitze in einem Bereich haben. Natürlich tun sich Erstere leichter auch mit wechselnden Anforderungen umzugehen; für die Letzteren, also die mit einer eindeutigen Begabungsspitze, ist es besonders wichtig, auf diese Begabung zu achten, weil man dann leichter mit den jeweiligen Änderungen im Beruf klar kommt. 

An neue Anforderungen im Beruf kann sich am besten anpassen, wer dafür begabt ist und somit die größere Lernfähigkeit mitbringt.

Was halten Sie vom Setting des Online-Intelligenztests, das viele Unternehmen nutzen. Gibt es aus Ihrer Sicht valide Online Intelligenztests? Welche Art von Tests würden Sie für Schüler/Absolventen empfehlen? Was halten Sie darüber hinaus von realistischen Arbeitsproben und weiteren Auswahlkriterien?

Online Intelligenztests haben das grundsätzliche Problem, dass sie ein verfälschtes Ergebnis liefern können, wenn man sich unerlaubter Hilfsmittel bei der Bearbeitung des Intelligenztests bedient.
Ein Intelligenztest wird üblicherweise unter Aufsicht durchgeführt, ohne dass man Hilfsmittel zur Rate ziehen kann, z.B. dass man zwischenzeitlich etwas googeln kann, oder dass man einen Freund, eine Freundin oder die Eltern dabeisitzen hat. Hier besteht die Gefahr, dass ein Intelligenztest ein verzerrtes Bild der Begabung und vor allem auch der Begabungsstruktur liefern kann, wenn solche unzulässigen Hilfsmittel verwendet werden.

Extrem wichtig ist es daher, dass man wirklich appelliert, den Test alleine und ohne Hilfsmittel durchführen. Nur so kann es zu einer realistischen Abschätzung der Struktur der eigenen Begabungen kommen und damit wird vermieden, dass man möglicherweise in einem Beruf landet, für den man gar nicht so gut geeignet ist.

Zu den Arbeitsproben: Diese gelten grundsätzlich als eine sehr valide, also sehr zuverlässige und informative Informationsquelle, falls man sie überhaupt verwenden kann. Denn Arbeitsproben setzen ja immer auch ein gewisses Vorwissen oder schon vorhandene Fertigkeiten voraus, sodass sie nicht grundlegend für alle Bereiche anwendbar sind. Aber dort, wo sie anwendbar sind, zeigen sie nachweislich sehr gute Prognosen für den späteren Berufserfolg. In einer idealen Diagnostik wird man Arbeitsproben am besten kombinieren mit Begabungstests, mit Persönlichkeits- und Interessenstests. Denn man möchte ja, dass die auszuwählende Person nicht nur hinsichtlich der Fähigkeiten, sondern auch speziell hinsichtlich des Charakters und der Persönlichkeit zu dem Job passt.

Als klassisches Beispiel nenne ich eine introvertierte Person, die man ins Front Office steckt oder eine sehr extravertierte Person die den ganzen Tag alleine auf dem Computer vor sich hinarbeiten muss; in beiden Fällen wird er oder sie nicht glücklich werden.

„Online Intelligenztests können ein verzerrtes Bild der Begabung und vor allem auch der Begabungsstruktur liefern, wenn unzulässigen Hilfsmittel verwendet werden. Arbeitsproben zeigen sehr gute Prognosen für den späteren Berufserfolg. In einer idealen Diagnostik kommen mehrere Auswahlverfahren zum besten Ergebnis.“

Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Schul-/Abiturnote und Intelligenz? Wenn ja, welchen? Wenn nicht, was genau messen Schulnoten eigentlich und was hat das für Auswirkungen für die Azubi-Auswahl anhand von Schulnoten?

Schulnoten sind grundsätzlich gute – wie wir das nennen – Prädiktoren für den Erfolg in späteren Berufsausbildungen. Das gilt für das Studium wie auch für praktische Berufsausbildungen. Der Zusammenhang mit dem späteren Berufserfolg ist dann zwar geringer aber immer noch bedeutsam, sodass man sagen kann, dass Schul- bzw. Abiturnoten grundsätzlich eine gute Aussagekraft haben.

Die haben sie deshalb, weil Schulnoten und Abiturnoten den Vorteil einer großen Zuverlässigkeit aufgrund einer Aggregation zumeist über längere Zeiträume sind, d. h. anders als ein punktueller Intelligenztest stellen sie ein Aggregat über die Leistungsfähigkeit und -bereitschaft von jemandem über die Zeiträume von Monaten und Jahren dar. Deshalb erlauben sie oft sehr gute Prognosen.

Es muss einem allerdings bewusst sein, dass Schulnoten nicht nur den Begabungs- oder Eignungsanteil reflektieren, sondern zu einem hohen Ausmaß auch Persönlichkeits- oder charakterbedingte Einflüsse widerspiegeln, vor allem Faktoren wie Gewissenhaftigkeit und deren Teilaspekte wie Selbstdisziplin oder Leistungsmotivation spielen hier hinein. Schulnoten werden ja im Allgemeinen von Lehrerinnen und Lehrern vergeben, und die bewerten halt nicht nur die absolute Leistungsfähigkeit, sondern auch, wie sehr sich ein Schüler/eine Schülerin angestrengt bzw. wie motiviert sich ein Schüler/eine Schülerin gezeigt hat.

Schulnoten sind somit schon aussagekräftig, sie haben allerdings den Nachteil, dass sie natürlich nur für bestimmte Bereiche, für die kognitiven Bereiche zur Verfügung stehen, also man kann daraus gut mathematische und naturwissenschaftliche Bewegungen abschätzen oder sprachliche Eignung. Hingegen reflektieren sie weniger Faktoren wie soziale Kompetenz oder so etwas wie emotionale Intelligenz.

„Schulnoten haben eine gute Aussagekraft hinsichtlich Erfolg in Ausbildung und Studium, und der Zusammenhang mit späterem Berufserfolg ist immer noch bedeutsam. Sie berücksichtigen jedoch wenig soziale und emotionale Intelligenz und spiegeln neben Begabung auch Persönlichkeitsmerkmale wie Gewissenhaftigkeit und Leistungsmotivation wider.“

Welcher Rolle spielt Ihrer Meinung nach die Schule bei der Einschätzung persönlicher Stärken und Schwächen? Wie gut sind die Schulen hier Ihrer Meinung nach wirklich aufgestellt?

Schulen geben grundsätzlich schon einen guten Einblick in bestimmte Fähigkeitsbereiche sowie – zuvor erwähnt – in die Fähigkeiten bezüglich sprachlicher versus mathematisch-naturwissenschaftlicher Stärken oder Schwächen. Sie können natürlich auch spezielle Begabungen, beispielsweise eine besondere Eignung für ein bestimmtes Fach, sei es jetzt Biologie oder Geographie, ganz gut widerspiegeln.

Aber natürlich kann es hier auch zu Fehlurteilen kommen, weil nicht alle Lehrer immer nur Leistungen ganz objektiv bewerten, sodass es hier auch gelegentlich zu Verzerrungen kommen kann.

Wir wissen aus eigenen Studien, dass Lehrer zwar Intelligenz bzw. bestimmte Faktoren der kognitiven Befähigungen – eben die genannten sprachlichen, räumlichen und mathematisch-numerischen Fähigkeiten gut einschätzen können, dass sie aber schon deutlich weniger genau sind, was die Einschätzung kreativer Begabung sind und noch ungenauer für die Einschätzung sozialer Kompetenzen.

Dies ist auch nicht verwunderlich, weil soziale Kompetenzen im Unterricht im Allgemeinen nur sehr partiell abgerufen werden. Schulen liefern somit in Teilen ein gutes Abbild der Stärken und Schwächen, in anderen Bereichen geben sie wohl eher weniger Rückmeldung.

„Schulnoten spiegeln durchaus spezielle Begabungen wider, zumal über einen langen Zeitraum zuverlässig Daten erfasst werden. Da Lehrer in ihrer Beurteilung aber nicht immer objektiv sind, kommt es auch hier zu Verzerrungen.“

Haben Sie Empfehlungen für Unternehmen, die ihre Azubi Auswahl gemäß neuster wissenschaftlich relevanter Erkenntnisse gestalten wollen?

Generell sind psychologische Tests für die Auswahl von Azubis sehr gut geeignet und können gute Vorhersagen über den Erfolg in der Berufsausbildung liefern, idealerweise sollten sie noch kombiniert werden mit persönlichen Interviews bzw. Befragungen, die vor allem auch wichtig wären um eben gegebenenfalls Diskrepanzen zwischen Eignungen und Neigungen näher heraus zu arbeiten. Manchmal ergeben sich aus einer psychologischen Testung, die idealerweise die drei Bereiche Begabungen, Persönlichkeit und Interessen erfasst, ein homogenes Bild, d. h. Eignung und Neigung passen gut zusammen; in einigen Fällen wird es aber auch zu Diskrepanzen zwischen Eignungen und Neigungen kommen und gerade dann ist es wichtig, in einem Gespräch heraus zu finden, wodurch diese Diskrepanz zustande gekommen ist.

So könnte es zum Beispiel einfach eine Entmutigung aufgrund geschlechtlicher Stereotype sein, sodass beispielsweise einem mathematisch oder technisch begabtem Mädchen immer wieder von ihren Eltern oder Mitschülern gesagt wurde ‚Technik, das ist nichts für Frauen‘ und so gehen so manche Talente verloren.

Letztlich geht es darum, seinen Blick zu öffnen auf die vielen verschiedenen Berufsmöglichkeiten, die es heutzutage gibt und aus der eigenen Blase heraus zu kommen und sich zu fragen, ob es nicht Möglichkeiten einer Karriereentwicklung für mich gibt, die ich aufgrund von Einflüssen aus meinem Umfeld (Eltern, Bekannte, Verwandte, Freunde) vorher nie in Betracht gezogen habe.

„Eine psychologische Testung erfasst idealerweise die drei Bereiche Begabung, Persönlichkeit und Interessen. Bei Diskrepanzen zwischen Begabung und Neigung sollten genau diese und mögliche Gründe (Vorurteile, Stereotype, Klischees) in persönlichen Gesprächen heraus gearbeitet werden.“

Haben Sie vielen Dank, Herr Professor!

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