Berufsbildungsbericht 2020 – Relevanz von Jobmessen gestiegen

Bundesbildungsbericht 2020

Jedes Jahr erscheint er, der Berufsbildungsbericht. Er beleuchtet die aktuelle Ausbildungsmarktsituation. Auch wenn bei der Fertigstellung Corona erst in den Anfängen und die Folgen noch nicht abzusehen waren, gibt es dennoch einige wichtige Erkenntnisse.

Ein Trend, der sich fortsetzt: die fehlende Passung. Es mangelt demnach grundsätzlich weder an Ausbildungsplätzen noch an der Nachfrage, auch wenn beide in 2020 gegenüber dem Vorjahr erneut rückläufig sind. Der Spiegel schreibt hierzu aktuell: “Sowohl die Zahl der Bewerber als auch die Zahl der Stellen sei um acht bis zehn Prozent rückläufig.“. Lediglich schulische Ausbildungsgänge in Berufen des Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialwesens konnten einen Anstieg der Nachfrage (0,9%) in 2019 verzeichnen.

Ende Januar 2020 standen jedenfalls noch 66.794 nicht besetzte Ausbildungsplätze 64.198 Ausbildungsplatzsuchende gegenüber, die einfach nicht zusammenfanden.

Wer suchet, der findet? Nicht notwendigerweise.

Wer auf der Wunschliste den IT-Kaufmann bei einem namhaften Softwarehaus oder hippen Start-up in einer Metropole stehen hat, wird vermutlich nicht den Bürokaufmann oder gar Fliesenleger auf dem platten Land als alternativen Ausbildungsberuf in Erwägung ziehen. Die steigende Anzahl höher qualifizierter Schulabschlüsse führt verständlicherweise auch zu einer entsprechenden Anspruchshaltung seitens der Bewerber an einen Ausbildungsberuf und -betrieb.

Das Image eines Berufes, Karriereperspektiven und Verdienstmöglichkeiten sind wichtige Kriterien bei ihrer Berufsauswahl. Gleichzeitig konkurrieren die immer höher qualifizierten Kandidaten bei beliebten Berufen/Betrieben, was die Chancen wiederum reduziert, tatsächlich im Wunschberuf/beim Wunscharbeitgeber zu landen.

Hinzu kommt, dass Jugendliche oftmals keine oder gar falsche Vorstellungen von einem Beruf haben. Es spricht insgesamt vieles dafür, dass eine frühzeitige systematische Beschäftigung mit verschiedenen Berufsbildern im Schulterschluss mit einer professionellen Berufsberatung und Eignungsdiagnostik die Passung und damit die Chance auf den Studien- und Ausbildungsplatz insgesamt erhöhen kann.

„Neben den eigenen Eltern und Freundinnen und Freunden, die immer schon eine gewisse Rolle gespielt haben, ist die Relevanz von Jobmessen und auch den sozialen Netzwerken gestiegen.“ (Zitat Berufsbildungsbericht 2020, Seite 12)

Auf der anderen Seite müssen sich aber viele Unternehmen für die Nachwuchsgewinnung offensichtlich noch viel mehr ins Zeug legen und sich – spätestens jetzt – digital für Ihre Zielgruppe erlebbar machen und relevante Insights bieten, um auf dem Radar der Suchenden zu landen.

Unsere Agentur Jugendstil ist Ihr idealer Sparringspartner für eine erfolgreiche Gen Z-Ansprache und hilft Ihnen, den richtigen Ton für Ihre Zielgruppen zu treffen. Bei Einstieg stellen wir Ihnen darüber hinaus die Jugend affinen Kanäle zur Verfügung, über die Sie sich – auch während Corona – optimal erlebbar machen können.

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Der Bericht in Zahlen.

325 anerkannte Ausbildungsberufe gibt es deutschlandweit insgesamt, darunter ein neuer und 24 modernisierte. Laut statistischem Bundesamt gab es zum Wintersemester 2019/2020 508 200 Studienanfänger (0,7% weniger als 2018) an deutschen Hochschulen und 514 400 neue Ausbildungsverträge (knapp 1,4 %weniger als 2018). Für 2020 liegen laut Spiegel jedoch auch bereits Zahlen vor. Demnach „stünden in diesem Jahr 482.000 gemeldeten zu vergebenden Lehrstellen 417.000 Bewerber gegenüber.“.

Die Quote der unqualifizierten Bewerber ist mit 14,4% leicht gestiegen. Von den 20-34 jährigen Deutschen ohne Migrationshintergrund sank sie auf 8,3%, bei den gleichaltrigen mit Migrationshintergrund stieg sie auf 32,9%.

Insgesamt ist die Zahl der Vertragsneuabschlüsse um 1,4 % auf 514.400 gesunken. Die größten prozentualen Rückgänge haben Bayern (-3,0%) und Baden-Württemberg (-2,2%) zu verzeichnen, die größten Zunahmen hingegen Hamburg und Schleswig-Holstein mit jeweils 0,3%. Insgesamt sind die Berufsausbildungsverträge im Handwerk, Handel und der Industrie 2019 etwas rückläufig (1,7%).

Mit 26.5% wurde die Vertragsauflösungsquote beziffert, vor allem im Gast- und Hotelgewerbe sowie im Beruf des/der Friseur/se ist die Abbruchquote besonders hoch.

Viele Ausbildungsverträge werden wieder aufgelöst.

Wer einen Ausbildungsplatz ergattert, behält ihn nicht unbedingt. Liegt das an den so sprunghaften jungen Erwachsenen oder schlicht an unrealistischen Erwartungen auf beiden Seiten? Erfassen Sie als Unternehmen überhaupt systematisch die Gründe für einen Abbruch? Wie kann man dem vorbeugen?

Schülerpraktika bieten sich an, damit Schüler zu einem frühen Zeitpunkt Wunschberufe einem Realitätscheck unterziehen und sich in neuen Rollen erfahren können. Bleiben Sie im Anschluss mit ihnen in Kontakt. Probetage nach einem Vorstellungsgespräch erfüllen die gleiche Funktion – realistische Aufgaben im potenziellen Teams lösen und das Team bei der Entscheidung auch gleich mit einbinden. Ein gutes Onboarding ist ebenfalls ein Erfolgskriterium und gutes Instrument, Mitarbeiter früh an das Unternehmen zu binden.

Auch Anforderungskriterien sollten regelmäßig kritisch hinterfragt werden. Ist es realistisch, an eine zukünftige Teamassistenz die gleichen Maßstäbe wie für einen angehenden Mediziner zu setzen? Bei allem Respekt für diesen durchaus anspruchsvollen und vielseitigen Beruf. Eine Überqualifizierung ist nicht selten ein Grund für einen Ausbildungsabbruch.

Zumindest ist die Hürde potentiell gering, sich bei der erstbesten Frustration anderweitig zu bewerben. Für diejenigen, die sich bereits in der Ausbildung befinden, wird die Betreuung während und der Umgang mit der Krise im Unternehmen Einfluss darauf haben, ob die Ausbildung planmäßig beendet wird.

Ein hoher Praxisbezug ist unschlagbar.

Die Attraktivität einer dualen Ausbildung ist dennoch grundsätzlich hoch. Nicht weiter verwunderlich. Sind die Perspektiven, übernommen zu werden und damit den erfolgreichen Eintritt ins Berufsleben fließend zu gestalten doch sehr aussichtsreich.

Eigenes Geld zu verdienen und die Möglichkeit, im Rahmen realer Projekte direkt am Erfolg eines Unternehmens teilzuhaben, entspricht den Bedürfnissen dieser Generation. Durch den vergleichsweise hohen Praxisbezug geht zudem eine sehr persönliche Eignungserfahrung einher, verbunden mit einer steilen Lernkurve hinsichtlich Selbständigkeit und Verantwortung.

In der Ausbildung werden zudem bisher unbekannte Stellenprofile, Tätigkeitsfelder und Berufsbilder durch die Zusammenarbeit mit unterschiedlichsten Kollegen mit Leben gefüllt und auch praktisch erfahrbar. Manch einer entdeckt hier ganz neue potentielle Tätigkeitsfelder für sich.

Generation Corona = Generation Nesthocker?

Welchen Einfluss Corona kurz-, mittel- und langfristig hat, werden wir wohl auch eher rückblickend erkennen. Wagen wir daher ein Gedankenspiel.
Der Nachwuchs könnte sich nun womöglich eher für ein Studium entscheiden, wenn in Zukunft noch weniger Ausbildungsplätze angeboten werden und in Unternehmen überdies grundsätzlich Kurzarbeit und Insolvenz drohen.

Es könnte aber auch genau das Gegenteil eintreten: Durch Corona entfallen Präsenzveranstaltungen an Unis, die Erkundung der neuen Heimat ist erschwert, und neue Leute kennen zu lernen ist auch nicht so einfach. Das könnte den Bedarf nach erhöhtem Support durch Arbeitgeber, Berufsschule und Elternhaus verstärken. Und damit wiederum die Ausbildung – nicht nur in systemrelevanten Berufen – wieder mehr in den Fokus rücken.

Aus der Generation Corona wird gezwungenermaßen die Generation vorübergehender Nesthocker. Eine Vermutung liegt jedenfalls ziemlich nahe – sie wird sich notgedrungen intensiver mit ihrer beruflichen Zukunft auseinandersetzen. Zeit dazu hat sie ja. Und das ist grundsätzlich alles andere als schlecht.

Regierung schnürt umfangreiches Maßnahmenpaket.

Sowohl der generell zu verzeichnende Fachkräftemangel als auch die aktuelle Pandemie zeigen, wie wichtig es ist, im eigenen Land langfristig Fachkräftekapazitäten sicherzustellen. Die Erkenntnis, dass man nur durch lebenslanges Lernen auf dem sich wandelnden Arbeitsmarkt dauerhaft bestehen und den Wirtschaftsstandort Deutschland nachhaltig stärken kann, wurde uns mit Corona einmal mehr vor Augen geführt.

Die Regierung setzt daher aktuell auf ein umfassendes Maßnahmenpaket zur Sicherstellung der Fachkräftekompetenz. Das betrifft u.a. die Neuschaffung von Berufen (Bsp. Pflege), die Neuordnung bestehender Berufsausbildungen, das Aufstiegs-BAfög aber auch das Fachkräfteeinwanderungsgesetz.

Ja, Corona wird wohl definitiv noch eine Weile die große Unbekannte in der Gleichung bleiben. Insofern gleicht die Prognose einem Blick in die Kugel.
Wie auch immer die Entwicklung mit, nach und durch Corona verlaufen wird – eine erfolgreiche Stellenbesetzung macht immer frühzeitige, gezielte und am Bedürfnis Ihrer Zielgruppe ausgerichtete Maßnahmen erforderlich. Auch krisenunabhängig.

Und natürlich einen engeren Schulterschluss zwischen Politik, Bildungseinrichtungen, Unternehmen, Schülern und Eltern.
Hier schlummert durchaus noch unausgeschöpftes Potenzial.
Fangen wir an, es zu nutzen.

Besser spät als nie.

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