Ich bin männlich, also Ingenieur!

Welchen Einfluss haben Geschlechterklischees auf die Berufs- und Studienwahl?

Mädchen wählen immer noch vorwiegend Berufe aus den Bereichen Sozialwesen, Gesundheit und Erziehung. Jungs entscheiden sich dagegen in erster Linie für handwerklich-technische Berufe. Eine größere Schnittmenge gibt es bei einigen kaufmännischen Berufen. Auf der akademischen Ebene ist die geschlechtsspezifische Wahl weniger ausgeprägt. Und trotzdem: Unter den Erstsemestern in den Ingenieurwissenschaften lag der Frauenanteil 2014 bei gerade mal 21 Prozent, während er bei den Geisteswissenschaften 68 Prozent betrug, bei den Erziehungswissenschaften sogar 74 Prozent*.

Girls' Day

Ob sich eine Schülerin für einen vermeintlichen Frauenberuf entscheidet oder dagegen, ist zum Einen abhängig von dem, was Eltern und Erzieher in Bezug auf das klassische Rollenverhalten vorleben. Dazu gesellt sich die Auswirkung der sozialen Herkunft. Ein Mädchen aus einem Ingenieurhaushalt wird sich eher für den Beruf entscheiden als eins, das mit einem größeren Abstand zu dem Beruf heranwächst. Zum anderen spielen bei der Berufswahl auch die genetischen Anlagen eine Rolle. Jungs haben zum Beispiel im Schnitt eine bessere räumliche Wahrnehmung als Mädchen. Deshalb sind sie aber nicht automatisch die besseren Ingenieure. Seit vielen Jahren schon gibt es Medien und Veranstaltungen, die den Geschlechterklischees entgegenwirken, indem sie die Berufsinformationen gezielt für das jeweils andere Geschlecht aufbereiten: den Mädchen-Zukunftstag  „Girls‘ Day“ (28.03.2019) zum Beispiel, den Jungen-Zukunftstag „Boys‘ Day“ (28.03.2019), die Initiative „Komm, mach MINT“, die sich für Frauen in MINT-Berufen einsetzt, oder das Planet-Beruf-Magazin „SOZIAL for you“, das bei Jungs für soziale Berufe wirbt.

„Wer Schüler für geschlechtsuntypische Ausbildungen und Studiengänge gewinnen möchte, muss Zeit investieren und kreativ werden.

Boys' Day

Das kennen Sie sicher aus Ihrer eigenen Rekrutierungspraxis. Idealerweise gestalten Sie die Berufs- und Studieninformationen gendersensibel, also auf die jeweiligen Bedürfnisse der Geschlechter zugeschnitten. Wir haben uns auf der diesjährigen Einstieg Köln mal umgesehen und Ihnen ein paar Beispiele mitgebracht.

Der Fachbereich Maschinenbau der Technischen Universität Darmstadt hat einen Schnuppertag eingerichtet, der sich ausschließlich an Schülerinnen richtet. Die Fachhochschule des Mittelstandes (FHM) hat ihre Info-Postkarten in zwei Farben entworfen, die sich mit Pink und Blau nach den Klischees der Farbgeschmäcker richten. Für Aufmerksamkeit sorgt die Typo auf der Vorderseite, die in männlicher und weiblicher Form herausgegeben wird: Klugscheißer und Klugscheißerin.

 

LINK: Infos und aktuelle Studien rund um die Berufswahl frei von Geschlechterklischees

 

Das Unternehmen Siemens wirbt seit Herbst 2018 mit der Kampagne „MINTfluencer“ insbesondere bei Mädchen für technische Berufe und duale Studiengänge. Auf der Messe werden an die interessierten Schülerinnen nicht nur Flyer verteilt. Sie dürfen sich auch über einen mintfarbenen Nagellack freuen. Ein schönes Give-away, das für Aufmerksamkeit sorgt. Die Mädchen, die an den Messestand kommen, um sich zu informieren, seien sehr straight und wüssten genau, was sie wollen, so Elisabeth Fischedick von Siemens. „Natürlich wendet sich die Kampagne auch an Jungs, aber diesmal stehen eben die jungen Frauen im Mittelpunkt“.

MINTfluencer-Kampagne von Siemens
Die Kampagne MINTfluencer wird auf den Ausbildungsseiten von Siemens ausgespielt, außerdem auf Youtube, Facebook und Instagram.

 

*Quelle: destatis

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