Bei Ihnen tiktokts wohl?!

Bei der Gen Z immer beliebter: Die App TikTok

Na, das ist wirklich Premiere! Mein Sohn hört, wie in einem Video Meeting mehrfach das Wort TikTok fällt und mischt sich gleich souverän ein. Nach anfänglichem Zögern begeistere ich mich für die Idee, mir von ihm die DIE App der GenZ erläutern zu lassen (auch wenn ich mich zunächst am ehesten für die Welpenvideos begeistern kann…). Irgendwas muss ja dran sein an den steigenden Millionen Nutzerzahlen, in Deutschland derzeit 5.5 Mio. Aber was genau?

Wer pubertierende Kinder zuhause hat, weiß sicherlich bereits, dass TikTok bei ihnen äußerst begehrt und das Handy endgültig mit den Händen Ihrer Zöglinge verwachsen ist. Unterschiedlichen Studien zufolge beschäftigen sich vor allem die Zielgruppe Teens bis Mittzwanziger – also exakt Ihre potentielle Zielgruppe Azubis und Studierende – damit.

Von den anfänglich ausschließlich Beauty und Testosteron geschwängerten lippensynchronen 15-Sekunden Musikvideosequenzen – von lustig bis peinlich alles dabei – wird die App mittlerweile breiter genutzt. Auch Unternehmen haben erste Schritte unternommen, um den Nachwuchs auf dieser Plattform für mittlerweile bis zu 60 Sekunden zu unterhalten und sich in deren Köpfe zu beamen.

Zum Beispiel die Tagesschau: Jan Hofer warb hier kürzlich mit einem Video für den Nachrichtensprechernachwuchs auf TikTok.

Jan Hofer von der Tagesschau wirbt für den Nachrichtensprechernachwuchs
Jan Hofer wirbt auf TikTok mit einem Video für den Nachrichtensprechernachwuchs.

Mit Blick auf die nun in Zeitraffer erfolgende breite Digitalisierung und auch aufgrund vorübergehend mangelnder persönlicher Kontakte durch die Corona Krise sollten wir einen genaueren Blick auf die App werfen und ihre Rolle im Nachwuchsrecruiting beleuchten. Die Nutzerzahlen und Dauer sollen demzufolge bereits drastisch in die Höhe geschnellt sein! Am besten laden Sie sich die App gleich mal herunter. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Und löschen können Sie sie schließlich auch wieder, falls gewünscht.

Kennen Sie eigentlich Ihre Zielgruppe?

Bevor Sie Feuer und Flamme selbst loslegen (tanzen) wollen, braucht es selbstverständlich – richtig – eine Strategie. Wer ist Ihre Zielgruppe genau? Wir reden immer von DER Generation Z. Die gibt es aber natürlich nicht in Reinform.

Die jungen Erwachsenen sind trotz einiger wichtiger relevanter Gemeinsamkeiten heutzutage genauso unterschiedlich wie sie es zu meiner oder Ihrer Zeit waren. Zumal wenn diese sich für unterschiedliche Berufe interessieren.

Will heißen, es macht Sinn – im übrigen vor jeder Personalmarketingmaßnahme – sich über Ihre ganz spezifischen Personas klar zu werden. Das sind Ihre fiktiven Wunschkandidaten, die definiert und schriftlich als Profil niederlegt werden. Vorlagen zur Definition von Personas finden sie inzwischen zahlreich im Netz. Diese Idealkandidatenprofile sind nicht in Beton gegossen und müssen immer wieder hinterfragt und ggf. angepasst werden. Bei aller professionell strategischen Formulierung –  vergessen Sie nie, es handelt sich um ein Wunschprofil. Zu 100% wird das wohl niemand erfüllen, aber man soll ja durchaus wenigstens bewusst von dem Profil abweichen können.

Sie sind primär als Entertainer gefragt.

Im Vordergrund von TikTok stehen der Spaß und die Unterhaltung. Man muss folglich den Mittelweg finden zwischen authentischem Einblick (in das Unternehmen, den Standort, die Abteilung, das Team, den Beruf, etc.), Humor oder gar Selbstironie und gleichzeitig Vermeidung von Fremdschäm-Momenten und Seriositätsverlust. Mitunter durchaus ein Drahtseilakt!

Zumal die Umwerbung als potentielle neue Mitarbeiter nicht zu platt erfolgen darf. Also eher subtil neugierig machen und sich die authentischen Botschafter in der Zielgruppe selbst – und darunter auch die selbstdarstellungsaffineren (selbstredend freiwillig!) – heraussuchen, um sich mittel- und langfristig auf die Radare Ihrer Zielgruppe einzubrennen. Insights sind hier das absolute Credo.

Holen Sie Ihre eigenen Azubis als Markenbotschafter an Bord!

Holen Sie Ihre eigenen Azubis als Markenbotschafter an Bord! Sie sind nicht nur die Experten für das Erleben des Unternehmens und Ausbildungsberufs selbst, sie sind auch diejenigen, die die digitalen Trends im Auge haben und besonders gut beherrschen und die einzigen, die glaubwürdige Aussagen treffen können.

Fragen Sie sie:

  • Wer von ihnen nutzt Tiktok?
  • Welche Videos und Botschaften sind am beliebtesten?
  • Haben sie schon entsprechende Recruiting Content selbst gesehen?
  • Welchen finden sie gut? Warum?
  • Welche Ideen hätten sie bezüglich relevanter Anekdoten aus dem Arbeitsalltag, spezifischer Gegebenheiten im jeweiligen Job, der Abteilung, dem Standort, dem Unternehmen, hinsichtlich Produkt/Dienstleistung oder aktuellen Themenbezügen (siehe systemrelevante Berufsgruppen in Zeiten von Corona!)
  • Und wie funktioniert das alles überhaupt?

Wenn Sie etwas posten oder anderen folgen möchten, ist ein Account nötig. Details der Nutzung erfahren Sie hier.

Besonders wichtig ist, den Content auf TikTok mit relevanten Hashtags zu versehen. Checken Sie selbst einmal, was Sie unter den verschiedenen Keywords  #ausbildung #beruf #studium #ilovemyjob #bewerbung #bewerbungsgespräch finden und lassen Sie sich inspirieren!

Durch den Hashtag #foryou und #foryoupage erreicht man darüber hinaus noch mehr potentielle Leser. Gemeinsam mit internen oder externen Social Media Spezialisten sollten Sie darüber hinaus Regeln für die Erstellung von Content, für die Ausspielung und die jeweiligen konkreten Hasthags definieren und immer entsprechende Freigaben vereinbaren.

Noch besser und maximal professionell ist es natürlich, Sie binden TikTok in Ihre ganzheitliche Social Media Strategie ein. Und einmal dafür entschieden, müssen diese Kanäle natürlich auch gefüttert werden und zwar kontinuierlich! So ganz ohne Expertise, die man sich selbstverständlich auch inhouse aneignen kann, geht es dann doch nicht.

Die Großen machen es vor.

Wer auf TikTok mit Influencer Kooperationen eingehen, sogenannte Challenges starten oder professionelle Anzeigen ausspielen möchte, muss ordentlich Geld in die Hand nehmen! Fünf- bis sechsstellige Kosten kommen hier auf Sie zu und ist damit wohl eher den großen Marken vorbehalten:

BMW (#icelebrate) und Otto (#MachDichZumOtto) oder Punica (#PunicaDance) haben es mit ersten Hashtag Challenges bereits gewagt und beeindruckende Millionenviews damit erreicht. Wie sich das kurz-, mittel- und langfristig auf den Recruiting-Erfolg und die Arbeitgebermarke selbst auswirkt, bleibt allerdings noch offen.

Alles super? Kritik an TikTok.

Wer TikTok nutzt, sollte sich jedoch auch bewusst machen, dass diese App auch Nachteile birgt und bei aller Beliebtheit bei unserem Nachwuchs immer wieder in der Kritik steht. Zum einen hat sich der chinesische Mutterkonzern ByteDance dem Diktat der korrekten öffentlichen Meinungsführung verschrieben.

Es mutet daher nicht sehr glaubwürdig an, wenn sich TikTok davon öffentlich distanziert. Auch hinsichtlich des Datenschutzes und der Verschlüsselung sämtlicher Daten bestehen Lücken, bei vielen erheblich jüngeren Nutzern wäre zudem die Einwilligung der Eltern erforderlich. Auch kann der vom User generierte Content auf anderen Plattformen ausgespielt werden. Hier wurden bereits für dieses Frühjahr aktuell Verbesserungen angekündigt.

Zudem wurde der App vorgeworfen, die Reichweite bestimmter Inhalte gezielt zu beschränken. Dabei scheint es nach wie vor eine gewisse Willkür hinsichtlich der Kriterien zu geben. Diese Kritik wurde durch die Absicht der Mobbingvermeidung vermeintlich ausgehebelt. Auch Umweltschutz- und Charityprojekte sollen über die in der Presse veröffentlichten Widersprüche hinweg täuschen.

Bei aller „Hipness“, Zielgruppenpräsenz und Reichweite, die die HR-Verantwortlichen nun kurzfristig in Verzückung versetzen mögen, man muss sich im Klaren darüber sein, dass die Kritik der App gegenüber auch denjenigen anhaften könnte, die sie mehr oder weniger professionell nutzen.

Und das mag für bestimmte Branchen, Unternehmen und konkrete Zielgruppen eben kurz- mittel- oder langfristig relevanter sein als für andere. Und Impressions und Likes bedeuten nicht automatisch mehr und vor allem passendere Bewerbungen oder zufriedenere MitarbeiterInnen. Auch wenn das vielfach suggeriert wird. Es ist an Ihnen, abzuwägen.

Und übrigens, Youtube plant ein Konkurrenzprodukt bis Ende des Jahres. Wir dürfen gespannt sein auf „Shorts“. Stay tuned!

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